JP/R am 7.11.2015 in Lehmkuhlen bei Preetz

 

Ein Samstag im November: Tiefe Dunkelheit liegt über dem Land. Ganz Deutschland schläft. Ganz Deutschland? Nein, neben einigen Betten klingelt der Wecker zu frühester Stunde. Aufstehen! Heute ist Prüfungstag! 8 junge Retriever:  ein Toller, ein Curly, ein Golden und vier Labradore wollen bei einer JP/R zeigen, dass sie die jagdlichen Anlagen ihrer Eltern geerbt haben. Ihre Züchter hoffen, dass ihre Sorgfalt bei der Auswahl der Elterntiere gut und richtig war, die gesetzten Zuchtziele Arbeitsfreude und –können erreicht wurden und dass sie ihren ambitionierten Welpenkäufern den „besten Hund der Welt“ anvertraut haben. Die Führer schließlich möchten die Bestätigung und Anerkennung für ihre sorgfältige Ausbildung mit ihrem Hund erreichen.

So trafen wir um halb acht morgens im Suchenlokal  in Schellhorn bei Preetz ein. Dort wurden die Formalitäten erledigt, das Richterteam mit Prüfungsleiterin Frau Rudolph und den beiden Richterinnen Frau Burose und Frau Lau wurden vom Sonderleiter Carsten Hofterheide vorgestellt. Im Anschluss hatte jeder Führer die Gelegenheit, sich und seinen Hund kurz vorzustellen.

Und schon ging es ab ins Revier, wo auf einer Freifläche zuerst die Schussfestigkeit festgestellt wurde. Ein Hund nutzte dies gleich mal um „in eigener Sache“  im Gebüsch zu verschwinden und kam erst nach längerem „Bitten“  wieder zum Vorschein.

Anschließend folgte ein kurzer Fußmarsch zum Suchengelände.Dort wurde für jeden Hund 4 Stück Wild, zwei Enten und zwei Kaninchen, auf einer Fläche von 50 x 50 Metern ausgelegt, die es in einer Freiverlorensuche zu finden galt.

Meine Katie sprang nach der Aufforderung fröhlich los und fand auch schnell ihre erste Ente. Sie war so begeistert von ihrer Aufgabe, dass sie ihre Beute auf dem Rückweg etwas respektlos behandelte. Vor lauter Aufregung vergaß ich auch noch sie vorsitzen zu lassen. Sie kann es doch! Der Kommentar der Richterinnen bei der anschließenden Bekanntgabe der Noten für die erste Aufgabe war bei uns im Fach Bringen dann auch: verbesserungswürdig. Das ließ mich doch etwas um das Bestehen der Prüfung fürchten. Alle Hunde bestanden die Aufgabe, viele mit der Note „sehr gut“. Wir gingen wieder zurück zur Freifläche, wo die Hunde ihre Markierfähigkeit zeigten.

Ein Schuss fiel, die Ente flog und ratzfatz wurde sie gebracht. Vorsitzen, ausgeben: Meine „flotte Motte“ war super! Der nächste bitte… Zügig ging es voran. Leider musste uns jetzt ein Gespann verlassen, da der Hund noch größere Defizite beim Gehorsam zeigte und die erforderliche Gesamtpunktzahl nicht mehr erreichen konnte.

Nun wechselten wir das Gelände. Vor uns lagen riesige Rapsfelder. Platz ohne Ende für die Schlepparbeit! Doch wo sollten sich eigentlich die schleppenziehenden Richter verstecken? Nach einigem Überlegen (wer legt sich schon gerne in den nassen Raps?) wurde eine geeignete Lösung gefunden und der erste Hund durfte starten.

Es ist eine Freude, den jungen Hunden zuzuschauen, wie sie die Schleppen arbeiten, ja teilweise auf der Spur fliegen! Alle zeigten eine sehr gute Leistung! Und wir Hundeführer entspannten uns ein wenig, denn nur noch eine Aufgabe lag vor uns: Das Wasser.

Noch einmal wechselten wir in ein anderes Gelände.

Und dann kam mit Abstand die schwerste Aufgabe. Ausgerechnet hier besteht die Prüfungsordnung auf einem Muss. Die Ente, die unter Beschuss ins Schilf fällt, muss so angelandet werden, dass der Hundeführer sie erreichen kann.

Der vorgesehene Einstieg ins Gewässer gefiel Katie überhaupt nicht, sodass sie ein Stück weiter links ohne Zögern ins Wasser ging. Damit hatte sie sich einen schweren Weg ausgesucht, galt es doch jetzt durch eine umgestürzte Weide mit ihren zahlreichen Ästen zu schwimmen um die Ente zu erreichen. Aber wie eine Dampfwalze wühlte sich meine kleine Katie durch, fand die Ente sofort und setzte sich ohne Schütteln vor mich hin zur Ausgabe. Klasse! Und wir hatten bestanden!

Alle Hunde hatten hier die eine oder andere Schwierigkeit (Baum) oder Ablenkung (Entenschwarm), sodass zwei beim ersten Versuch nicht zur Ente kamen. Aber das sehr faire Richterteam gab ihnen eine zweite Chance und so konnte einer der beiden noch erfolgreich bestehen.

Leider wollte der andere Hund das Wasser nicht mehr annehmen, vielleicht weil er sich beim ersten Mal in den Ästen der Weide so unangenehm verhedderte. Das war wirklich großes Pech, denn bis dahin zeigte die Hündin hervorragende Leistungen und gehörte zu den besten. Wir alle drücken ihr beim nächsten Mal ganz fest die Daumen!

Nach dem Gruppenfoto ging es zurück ins Suchenlokal, wo wir entspannt und in fröhlicher Runde auf unser Ergebnis warteten. Von der hinteren Platzierung  angefangen wurde  ein Gespann nach dem anderen aufgerufen, beglückwünscht und die Urkunde überreicht. Es war eine große Überraschung für mich, dass wir uns nach dem holprigen Start noch auf den 2. Platz vorarbeiten konnten. Was habe ich für einen superklasse Hund!! Nicht nur im Showring kann sie sich platzieren, auch bei der Arbeit ist sie hervorragend und so werden wir im nächsten Jahr weiter trainieren um dann die BLP in Angriff zu nehmen.

Es war ein wirklich sehr schöner Tag der sogar wider Erwarten trocken blieb. Wir waren eine sehr nette und harmonische Runde und ich würde mich freuen, den ein oder anderen bei einer weiteren Prüfung wieder zusehen.

Einen ganz herzlichen Dank gilt der Sonderleitung Veronika und Carsten Hofterheide, die viele Stunden mit der Vorbereitung verbrachten,ein sehr nettes und faires Richterteam zusammen stellten, das schöne Revier zur Verfügung bekamen und als überraschende Krönung jedem Teilnehmer ein Buch über Hunde schenkten.

Herzlichen Dank geht auch an die Richterinnen, die an vielen Wochenenden im Jahr ihre Freizeit opfern um zahlreiche Prüfungen richten zukönnen.

Last but not least: Danke, liebe Sina, dass du mir so gut und erfolgreich bei der Ausbildung meiner Katie geholfen hast!

 

Gudrun Gerth mit  Labradorhündin Yes we can Coopers Crossing Kate

 

 

 

 

veröffentlicht in der DRC-Clubzeitschrift 6/2015 

 

Aktualisiert am: 16.04.2018